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Neben diesen dramatischen heroischen Gestaltungen stehen im
Werk Arno Brekers
gleichzeitig Schöpfungen, die eine lyrische Sprache reden. Es sind vor allem die fünf
figürlichen Werke, die der Künstler für den Runden Raum der Neuen Reichskanzlei schuf, für
einen Innenraum also, in dem die Zwiesprache des Beschauers mit dem Werk persönlicher ist. Im „Wager"
und im „Wäger" gab er noch einmal die Typen des aktiven und des philosophischen Mannes. In den weiblichen
Gestalten dieser Reihe schuf er das bisher Lyrischste seines Werkes und damit zugleich Gestaltungen, in denen in
unserer Zeit das weibliche Prinzip am gültigsten verkörpert ist: Die „Anmut" in ihrer lebensbejahenden,
jubelnden Schönheit; die ernste zurückhaltende „Schreitende"; die gläubige Hingabe der „Eos".
Die „Psyche", die zur gleichen Zeit entstand, schließlich ist vollkommen Besinnung und Besinnlichkeit.
Allen diesen Darstellungen des menschlichen Körpers ist eines gemeinsam: Die Steigerung der menschlichen Vorstellung
im Körperlichen und im Ausdruck. Schon daß ausschließlich Jünglinge und Frauen auf der Höhe
ihrer Lebenskraft erscheinen, ist dafür bedeutsam. Immer aber haben darüber hinaus diese Männer
etwas vom Gott und Genius, die Frauen etwas Hoheitsvolles, Majestätisches, fast Priesterliches. Das spricht
insgesamt von einer Wertschätzung des rassisch gebundenen Menschentums, die seit der germanischen Frühzeit
die Haltung der Idealisten ist.
Die gleiche Anschauung vom Menschen und die gleiche innere Haltung zeigt sich in den Reliefs des Künstlers.
Obwohl noch eine große Zahl von Arbeiten erst in der Vollendung begriffen ist, stellen ihn seine bisherigen
Leistungen auch auf diesem Gebiet in die erste Reihe unserer heutigen Bildhauer. Wie auf dem figürlichen Arbeitsgebiet
ist es auch hier Prof. Albert Speer zu verdanken, daß Arno Breker innerhalb des Neubauprogramms der Reichshauptstadt
und des Ausbauprogramms des Reichsparteitaggeländes in Nürnberg die Möglichkeit erhielt, Großes
zu planen und Großes zu schaffen. Die Bedeutung der Zusammenarbeit dieser beiden, genialen schöpferischen
Persönlichkeiten läßt sich heute noch gar nicht überblicken, da erst ein kleiner Teil ihrer
Resultate der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Der Zusammenarbeit ist einer der größten
bildhauerischen Aufträge überhaupt zu verdanken: Die Aufgabe, einen monumentalen, repräsentativen
Bau an der Nord-Süd-Achse in Berlin mit 24 Reliefs von je 10 m Höhe und insgesamt 240 m Länge zu
schmücken. Inhaltlich wählte sich Arno Breker das Schicksal des Reiches seit 1918. Er gibt aber nicht
historische Szenen, sondern symbolische Gestaltungen der Eigenschaften und Kräfte, die das deutsche Schicksal
bestimmen und zeitlose Geltung haben. Einige dieser Reliefs sind bereits fertiggestellt; eine große Zahl
weiterer liegt im Entwurf, im Maßtab 1:10 vor. Sie zeigen, daß künstlerisch gesehen das Problem
gelöst ist. Ihrem Ausdruck nach gehören Werke wie „Kameradschaft" und das „Opfer" zu den erschütterndsten
und Werke, wie die „Fahne", „Rufer zum Streit", „Aufbruch der Kämpfer" zu den mitreißendsten,
die der Künstler geschaffen hat. „Auszug zum Kampf" ist das Modell eines Reliefs für die in Berlin
geplante, von Prof. Wilhelm Kreis entworfene Soldatenhalle. In ihm wird Arno Brekers Ausdruckskraft besonders deutlich:
Der erregte Rhythmus des ausziehenden Heeres wird mit sechs Männern erreicht, von denen der eine sogar nur
zum Teil sichtbar wird.
Alle diese Werke sind trotz ihrer idealisierten Wirkung in gründlichster Arbeit vor der Natur entstanden.
Sportler und Sportlerinnen standen zu ihnen Modell, und der Künstler spricht vor seinen figürlichen Arbeiten
gern davon, daß auch sie „Porträts" sind, um auch für das figürliche Werk die enge Beziehung
zur Natur zu betonen, die das Bildnis in der Plastik notwendigerweise besitzt. Das Bildnis ist seit Beginn seines
Schaffens das Hauptarbeitsgebiet. Er bezeichnet es als die Hohe Schule der Bildhauerkunst, da es immer wieder dazu
zwingt, bei dem von der Schöpfung Gegebenen zu bleiben. Wie seine figürlichen Arbeiten zielen auch seine
Bildnisse darauf, die Natur zu durchdringen und mit dem wiedererkennbaren Bild des Dargestellten dessen Wesen und
Charakter gesteigert zum Ausdruck zu bringen. Die früheren Arbeiten auf diesem Gebiet erfüllen die Absicht
mit einer sehr sensiblen, sehr persönlichen, im Unterschied zur späteren fast impressionistisch zu nennenden
Handschrift. Auch hier hat der Künstler später einen Stil gefunden, der auch das Bildnis mit den ruhigen,
gespannten Wölbungen seiner anderen Werke zusammengehen läßt; eine Tatsache, die in den Köpfen
Richard Wagners und Albert Speers am deutlichsten in Erscheinung tritt. In den weiblichen Bildnissen, die in den
letzten Monaten entstanden sind - Frau Bormann, Frau Speer Iris - erhebt diese Handschrift das Porträt zum
Typ; bei ihnen vor allem hat man den Eindruck, daß der Künstler sich gezwungen hat, möglichst objektiv
zu sein, um nur das herauszuheben, was dem Dargestellten innewohnt. |
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